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Ewald bei mtbeer

Ewald berichtet über Erlebtes in Woche 41

ohne Scirocco,… (gemäss Wiki gleichmässig heisser Wind, der von der Sahara in Richtung Mittelmeer weht. Kann in Extremfällen Geschwindigkeiten eines tropischen Wirbelsturmes erreichen.) 

Ewald berichtet über Woche 41Also noch einmal:
ohne Scirocco, ohne die Hilfe des Scirocco, ohne die rückenwindige Unterstützung des Scirocco…, ich weiss nicht.
Wie hätte ich den erstmorgendlichen Anstieg des letzten Biketages dieser Woche schaffen sollen. Danke an alle Kollegen, die mitgebrachten und die neu hinzugewonnenen. Dank eures gestrigen abendlichen Zuspruches sehe ich der ersten Herausforderung des Tages mit gemischten Gefühlen entgegen. „Es geit fei echli oppsi“, in etwa o-Ton von Housi und seinen Bikemannen und das mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen.
Zuviel Restalkohol (zumindest für meine Begriffe) in den Knochen und die Idee, ein spätes Frühstück ersetze den zu kurz gekommenen Schlaf, das alles, das geht nur schwerlich auf. Und so mache ich mich auf, die erste Herausforderung anzupacken. Vor uns die Gruppo Ferrari, und die Maseratis, auch noch nicht rennsportmässig unterwegs.
Kolbenklemmer manifestieren sich, sprich: Auch die sind zumindest technikmässig noch nicht am high end angelangt. Der/die eine oder andere kann das Tempo nicht mitnehmen, dreht auf dem nassen Trail durch, kriegt eine enge Kehre nicht hin und steigt ab. Passiert auch uns, den Alpha Romeos, 16V, GTI, obenliegende doppelte Nockenwelle, innen und aussen belüftete Bremsscheiben, getunt mit absenkbarem Chassis, wollte sagen absenkbarer Sattelstütze. Was hinter mir passiert bekomme ich nicht mit.
Housi und seine Mannen haben uns 100 Mal eingebläut: „Vöre luege, det geid Poscht ab.“ Und so vermute ich, dass die Cinquecentos und die Cappuccinos mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben.

Aber eben, nicht ohne sondern mit der Unterstützung des Sciroccos überwinden wir die ersten 200 hm, werden hochgepusht und amüsieren uns über das schiefe Holzbrücklein, das mtbeer vor 4 Jahren über einen Bachlauf gezimmert hat.
Allerdings erst, nach dem wir die algenbewachsenen und hochglitschigen Bretter auf Zehenspitzen und in verkrampfter Körperhaltung überquert haben und dem Bike-Heiligen gedankt haben, dass er uns nicht ausrutschen lassen hat. Wie heisst der eigentlich? Da muss ich wohl mal in Roma nachfragen. Und eben der Scirocco, der hat ein Nachsehen mit uns. Es tropft nämlich, schweisstreibend von Köpfen, von Nasen und vom Kinn.
Unser Guide, der René, der tropft sogar vom Ellbogen, hab ich noch nie gesehen diese, quasi die noble Tropfvariante. Der Scirocco seinerseits, der lässt es auch kurz tropfen, vom Himmel. Willkommenes Nass, das produziert Verdunstungskälte und so erholt und abgekühlt biegen wir ab in den ersten Trail und lassen es krachen.
Ein toller Tag hat begonnen. Kurze knackige Aufstiege (19% Steigung ist das höchste, was meine GPS gespeichert hat) sind das Ticket für flowige Trails, rasante Abfahrten in allen Technikstufen und einmalig schöne Landschaftserlebnisse. Toscana life, nicht aus dem Autofenster sondern direkt und hautnah.
Einer aus unserer Gruppe nimmt letzteres wortwörtlich und kippt schön neben mir in Zeitlupe ab seinem Radl (habe Mühe das Ding mit Bike zu betiteln – äätsch) und mimt den strampelnden Käfer bedeckt mit so etwas wie Carbon. Ich bedanke mich bei ihm - gut eine Stunde später, lasse mein verschlammtes Vorderrad in einer Kurve wegrutschen, lege mein Rocky flach (dechaschusenähousiwennsderzvellfrömdwerbigesch) und mache Bekanntschaft mit ein paar Dornen.
Besser ich als der Gummi, zumindest einen Platten erspart. Und bald ist Ende, der Ewige steht noch bevor. Rene unser Ellbogentropfguide dreht sich nur kurz um im Sattel und meint: „gniesses eifach“ (bärndüütsch ausgesprochen).
Das machen wir, den der Ewige der ist wirklich ewig. Die Bäume lassen einen tunnelartigen Trail frei, der Scirocco, da wäre er wieder, hat den Himmel kurzzeitig blankgeputzt und die Sonnenstrahlen zeigen Kreise und Kringel ins erste Herbstlaub. Träume können doch wahr werden.
Viel zu früh endet der Biketag, die Bikewoche, es bleibt nur noch Bike oder Radl putzen, je nachdem was man halt so onderem Födli hed.

Und am Schluss noch das Rahmenprogramm, Shopping tour für die kaufwütigen. Man kehrt ja nicht aus der Toscana nach Helvetien heim ohne zumindest die lokale Landwirtschaft ausgiebig unterstützt zu haben.
Auch das haben die mtbeers mit Bravour gelöst. Zuerst Besuch in einer Ölmühle, wo nach ausführlichen Erklärungen von Erika sich quasi jeder einen 5l Kanister unter den Nagel reisst und dann das absolute Highlight für leidgeprüfte Shoppingmuffel wie ich es einer bin: Besuch im Spezialitätenlädeli.
Endlich, wirklich endlich ein Konzept das greift. Zuerst Apéro mit Käse, Salami, Oliven und allem was das Herz begehrt, dann Feuer frei für den Einkauf. Und das Beste: Als wie gesagt leidgeprüfter und resistenter Shoppingmuffel darfst du am Tischchen sitzen bleiben, versuchen dich zwischen dem oder dem anderen Roten zu entscheiden. Das geht allerdings nur mit mehrmaligem Nachschenken.
Derweil lässt die beste aller Ehefrauen die Kreditkarte oder das Portemonnaie rauchen, man kommt ja irgendwann Samstagabend heim und der Kühlschrank ist leer. Was für ein Konzept, das Sitzenbleiben dürfen meine ich!
Dass draussen der Scirocco, oni seich, zu veritablen Tropensturm mutiert ist und die Verkaufsmannschaft lieber mit Gummischiebern der Wassermassen Herr zu werden versucht als an der Kasse zu stehen, das tut meiner Stimmung keinen Abbruch, nicht einmal die Werbebanner, die durch die Luft fliegen.

Fazit
Als Aargauer, der jeden Tag nach Zürich fährt und dort Entwicklungshilfe leistet bin ich versucht zu sagen: „Huere geili Wuche gsi“, als Heimwehberneroberläder entlockt es mit zumindest ein distinguiertes: „Fei echli schön gsii.“ (letzters gaaanz laaangsaaaam aaauuusspreeeecheeen)

Nachtrag
36 Stunden nach dem Einkauf läuft die Waschmaschine auf Hochtouren und ich mutiere zum Wäscheaufhänger…. nein, nein – Mitleid brauche ich keines.

Und noch ein Letztes
Danke an die mtbeers, ihr seid eine coole Truppe. Und an die andern Teilnehmer, die das lesen müssen: Schön gsii met eu alle.


Ewald

Samstag, 15. Oktober 2016

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