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Mac und seine 3 Musketiere

mtbeer - eine schrecklich nette Bike-Familie

Was gibt es Schöneres, als bei angenehmen Temperaturen in einer wunderbaren Landschaft zu biken? Diese Frage stellten sich Erika und Housi Beer (55) immer wieder. Seit den späten 80ern sind sie Jahr für Jahr nach Italien gefahren - für Velo- und Bikeferien in den noch kaum berührten, scheinbar unendlich weiten und lichten Wäldern im südlichen Teil der Toscana. "Und irgendwie haben wir uns vom ersten Moment an in diese Gegend verliebt", erzählen sie lächelnd. Verliebt in diese liebliche Landschaft mit den vielen sanften Hügeln abseits der Touristenströme, verliebt in die unendlich vielen schmalen Wege, die sich schnell zu flowigen Trails ausbauen lassen, verliebt in die mediterrane Küche und die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Einheimischen der Maremma, in der Provinz Grossetto.

Zu Beginn haben Erika und Housi Beer ihre Ferien und Trainingslager hier verbracht, anfänglich mit Freunden auf dem Rennvelo, später auch mit ihren drei Kindern auf dem Bike. Mit den Freunden kamen neue Kollegen hinzu, "gäng wie meh", wie Housi in breitem "Bärndütsch" zu sagen pflegt. Und so begannen die Beers, anfänglich bloss Gäste in der Toscana, immer öfter Ferien für Gümmeler und Hobby-Biker anzubieten. Und stellten sich im Jahr 2008 schliesslich die Grundsatzfrage: Wo verbringen wir künftig den Grossteil einen grossen Teil unseres Lebens? Im heimischen Berner Oberland, wo Housi als Internet-Verantwortlicher bei den Jungfrau-Bahnen arbeitete? Oder eben auch in den wärmeren Gefilden um Massa Marittima?

Die Begeisterung rund ums Bike siegte schnell. Erika und Housi machten sich selbständig und gründeten das Unternehmen "mtbeer - Bikeschule & Solutions gmbh". Seit nunmehr sieben Jahren leben sie während 5 Monaten in einem charmanten Agriturismo namens Tenuta il Cicalino, um da, auf dem weitläufigen Landgut, das von Oliven-Plantagen und tiefgrünen Zypressen umgeben ist, Bikeferien anzubieten. Von Anfang April bis Ende Juni - und von Anfang September bis Ende Oktober. Woche für Woche.
Im Sommer organisieren die Beers zu Hause im Berner Oberland Fahrtechnikkurse und Events für Gruppen und Einzelpersonen - sofern sie nicht gerade eine Bike-Tour in Kuba oder eine Spezialwoche im Irgendwo veranstalten.

Housi und Erika wissen um ihr Privileg. "Wir haben unser Hobby zum Beruf machen können." Biken und Biken lassen. "Gäng wie meh", wie Housi zu sagen pflegt. Dabei hat sich mtbeer als Ferienveranstalter etabliert, (notabene nur ein paar Steinwürfe entfernt von Ex-Radprofi Ernesto Hutmacher, der in Massa Vecchia am Fuss des Städtchen Massa Marittima bereits seit 30 Jahren Bikeferien anbietet.) muss das sein? :

Der Unterschied zu Hutmacher und Co: Die Beers fungieren in erster Linie als Familienunternehmen. Neben Erika und Housi sitzt im Cicalino auch Tochter Daniela fest im Sattel. Die 31-Jährige, die einst zu den grössten Schweizer Bike-Talenten zählte, weiss als Gruppenleiterin mitunter auch eine ambitionierte Männertruppe zu fordern. Zu ihren Ehren ist sinnigerweise die technisch schwierigste Passage im clubeigenen Bike-Lehrpark benannt, die Ponte Daniela, ein schmaler, bereits leicht verwitterter Holzsteg, der über einen schlammigen Teich voller Frösche führt. Wehe dem, der auf der Ponte Daniela die Balance verliert.

Sporadisch treten auch die wilden Beer-Söhne als Guides in Aktion, Marcel (29) und Nick (27), zwei veritable Downhill-Cracks. Marcel beendete seine Dwonhill-Karierre vor 3 Jahren um ein Studium zu beginnen, das er soeben als dipl. Gestalter HF Kommunikationsdesign & Interactiondesign abgeschlossen hat.
Nick zählt in der Gravity-Szene noch heute zur absoluten Weltelite. Die beiden sind mitverantwortlich, dass mtbeer über eine hauseigene Freeride-Strecke verfügt - 1,5 km lang, mit viel Flow-Potenzial.

Ohnehin darf sich die Infrastruktur im Cicalino sehen lassen. Praktisch vor der Haustür haben die Beers einen Bike-Lehrpark errichtet. Hier, inmitten eines grosszügig angelegten Oliven-Hains, lernen weniger Geübte, über Baumstämme und Treppen zu fahren, steile Anstiege und rasante Abfahrten zu meistern. Der Lehrpark empfiehlt sich auch für Routiniers, die an ihrer Technik feilen wollen. "Hier findet jeder was zum Üben", sagt Housi.

Entsprechend vielfältig ist die Gästeschar im Cicalino. Bald-Pensionärin Trudy ist ebenso mit von der Partie wie Langdistanz-Lenker Roger, der die Ferienwoche zum Anlass nimmt, um sich auf die nationale Marathon-Bike-Serie vorzubereiten. Buchhalter Peter, der die Sonne der Toscana den Wolken im Mittelland vorzieht, fährt ebenso mit wie Krankenschwester Petra, die ein paar gesunde Tage mit gesund Motivierten verbringen will. "Wer einmal hier war, kommt gerne wieder", sagt Housi lächelnd, "die Hälfte unserer Gäste sind Stammkunden". Rund 90 Prozent der Klientel kommt aus der Schweiz". In den Wäldern in der Maremma mitten in Italien wird "Schwyzerdütsch" geredet, und notfalls auch "Schwyzerdütsch" geflucht.

Nur am Morgen nach dem reichhaltigen Frühstück geht's italienisch zur Sache. Dann nämlich, wenn Housi, Erika und Daniela die einzelnen Gruppen bilden, nach Lust und Leistungsniveau. Die Schnelleren in der Gruppe "Ferrari", die Unentschlossenen in der Gruppe "Grappa", die Gemütlicheren in der Gruppe "Cappuccino". Die Touren sind so angelegt, dass sich die einzelnen Gruppen bei einem Kaffee- oder Glace-Halt unterwegs wieder treffen. Dabei demonstrieren die Beers immer wieder, dass es beim Biken nicht um Bestzeiten oder Weitenjagden geht, sondern in erster Linie ums Erlebnis. Auf Anhöhen wird stets kurz Halt gemacht, die Aussicht genossen. Ausserdem gibt es einiges zu erzählen, vorzustellen, zu erklären. Wer weiss schon, dass Erika auch ein Heidekraut ist, das bei manchen Trails blühend Spalier steht? Wie kann man im Labyrinth der hügeligen Wälder erkennen, in welcher Richtung Siena, Pisa oder Rom liegt? Und überhaupt: Warum vermögen die Beers selbst in giftig steilen Anstiegen noch zu lächeln?

"Früher, als wir noch selber Rennen fuhren, wollten die Gäste mit uns trainieren", sagt Housi. Längst aber stellen die Beers den Genuss weit über die Leistung. "Erleben und geniessen", lautet ihr Credo. Aufs Bike schwingt man sich meistens nur morgens für eine moderate Tour, ausgenommen der Ausflug auf die Insel Elba, der Königsetappe, wo auf welligen Trails mit Blick aufs Meer mehr als 50 Kilometer 1500 Höhenmeter zusammenkommen und auf der Rückfahrt mit der Fähre nicht mehr viel geredet wird.

Im Cicalino hingegen kann man sich an einem der fünf gepflegten Swimmingpools oder in einem der drei Whirlpools erholen. Die Abende schliesslich stehen im Zeichen von Kulinarik und Kultur. Ein Besuch des majestätisch gelegenen Städtchens Massa Marittima steht ebenso im Angebot wie eine Degustation erlesener Weine aus der Region, die Besichtigung einer Öl-Mühle oder ein Shopping lokaler Spezialitäten. Derlei Ausflüge, zumeist verbunden mit einem Apéro, machen Lust auf mehr. Und dieses Mehr gibt es dann im Restaurant von Salvo, dem schwergewichtigen Koch im Cicalino, der allabendlich ein leckeres 5-Gang-Menü auf den Tisch zaubert. "Salvo allein ist schon die Reise wert", meint Silvan, der hier seit Jahren Ferien bucht und am Ende der Bikewoche öfters zwei Kilo mehr auf die Trails führt als zu Beginn. Erstaunlich eigentlich, dass die Beers in all den Jahren mit Salvo so drahtig geblieben sind.


Text: Mac Huber

Samstag, 11. April 2015

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